Bauern bloggen – vergeblich?

Dass Bauern bloggen – und nicht nur baggern – können, war kürzlich Thema bei ZAPP, dem NDR-Medienmagazin (also nicht RTL).

Oda Lambrecht stellt einige bekannte Gesichter der Szene vor und was sie dazu motiviert, u.a. „Bauer Holti“ alias Marcus Holtkötter, Thomas Fabry, und Dirk Nienhaus. Auch DBV-Vizepräsident Werner Schwarz kommt zu Wort. Er räumt ein, dass die Landwirtschaft in der Vergangenheit zu wenig kommuniziert und ihre Arbeit erklärt hätte.Einen skeptischen Blick wirft Jan Grossarth (FAZ) auf die Kommunikationsaktivitäten der Landwirte und Landwirtinnen. Für ihn sind die Bilder zu schön um wahr zu sein, sie hätten angesichts von Studien und Statistiken ihre Unschuld verloren.

Lambrechts TV-Beitrag hinterlässt den landwirtschaftlichen Zuschauer etwas ratlos. Gezeigt wurden ausschließlich unkritische Bilder aus dem Alltag in den Ställen. Dass es aber auch andere, strittige Themen und unschönes Bildmaterial auf landwirtschaftlichen Internetseiten gibt, bleibt einem der Beitrag schuldig.

Den Schlusssatz des Filmes,

„Je mehr schöne und problemfreie Bilder [Bauer Holti] und seine Berufskollegen verbreiten, desto mehr müssen Journalisten auf Probleme schauen.“

könnte mancher fast als Aufruf interpretieren, mehr schwere Kost auf Sendung zu bringen, statt den unspektakulären Alltag…

Den Beitrag – und die Diskussionen im Netz danach – sehe ich als ein Zeitdokument, wie verfahren die Kommunikation zwischen Medienleuten und Landwirten ist: Niemand kann es dem anderen recht machen, zu unterschiedlich sind die Perspektiven und Zielsetzungen.

Übrigens: Seine Aussage zu Problemen beim Tierschutz hat Marcus Holtkötter nachträglich auf Twitter relativiert. Vielleicht hätte auch der Film einige Nachfragen mehr vertragen.


Weitere Resonanz im Netz:

ZAPP-Facebook Post:
https://www.facebook.com/ZappMM/videos/956182051215140/

Susanne Günther: „Von Bauern und Bildern“
https://schillipaeppa.net/2018/04/12/von-bauern-und-bildern/

Bauer Willi:
http://www.bauerwilli.com/das-bild-der-bauern/

top agrar: „Sind Berichte von Agrarbloggern sinnvoll oder kontraproduktiv?“
https://www.topagrar.com/news/Home-top-News-9150257.html

Umfrage agrarheute.com: „Blogs, Posts, Fotos und Videos: Was bewirken Agrarblogger?“
https://www.agrarheute.com/land-leben/blogs-posts-fotos-videos-bewirken-agrarblogger-umfrage-544129

2 Kommentare zu „Bauern bloggen – vergeblich?

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  1. Den Beitrag von Frau Lambrecht zu diesem Thema fand ich in Ordnung, auch wenn sie tatsächlich manchmal mehr nachfragen hätte können, insbesondere bei Herrn Grossarths wirren Ausführungen. Ich habe nicht verstanden, was er tatsächlich meinte.
    Das Statement von Holtkötter zum Tierschutz hat er wohl ausschließlich durch seine betriebliche Brille abgegeben, sonst wäre es echt peinlich. Werner Schwarz spricht da schon differenzierter vor der Kamera und das ist auch gut so.

    Die Hoffnung vieler Agrarblogger ist ja, dass die Leute einiges anders bewerten würden, als es einem von den Propagandabüros der NGOs vorgekaut wird. Andererseits sehe ich aber, wie alle Anstrengungen vergeblich sind, wenn der nächste Skandalfilm über den TV rauscht. Da sind wir doch chancenlos.

    Ich habe Sie, Herr Winter, diese Woche in Hohenheim zum Thema „Landwirtschaft zwischen Skandal und Landlust“ referieren hören. Leider kam ihr Thema zu kurz. Es trifft m.E. nur für sehr wenige Landwirte zu, dass sie im Netz bessere Arbeit als andere Brancheninitiativen leisten. Mich stören die öffentlichen Diskussionen unter Kollegen, die sich dabei gegenseitig niedermachen. Wirklich gute „Sprecher“ aus dem Netz haben wir wenige, z.B. Bauer Willi.

    Meine Kinder haben ihre Konsequenzen gezogen. Auch mir dauert diese hässliche Debatte zu lange. Jeder Betrieb hat ein kurzes Zeitfenster, in dem die Entscheidungen zur Nachfolge gefällt und eingeleitet werden müssen. Dies ist bei uns nun geschlossen.
    Minister Christian Schmidt hätte das Gutachten des wissenschaftlichen Beirats zu seinem Projekt machen sollen. Nun kommt alles viel zu spät und die aggressiven Kampagnen der Grünen und deren Kollaborateuren in NGOs und Medien haben ihre Spuren in den Familienbetrieben hinterlassen.

  2. Ihr Kommentar macht mich traurig. Wenn der Nachwuchs der Landwirtschaft den Rücken kehrt, weil die gesellschaftliche oder mediale Debatte darüber zu heftig geworden ist, läuft da gewaltig was schief.

    Die Do-It-Yourself-Öffentlichkeitsarbeit von Landwirten und Landwirtinnen im Netz ist eine autonome Reaktion vieler einzelner, vernetzter Akteure. Nicht alle zeigen geschönte Bilder – im Gegenteil zum Vorwurf im Beitrag.
    Das Probem der Agrarbranche ist einzigartig: Im Vergleich zu allen anderen Branchen gibt es keine wirklich finanzstarke Organisation, die eine maßgeschneiderte Branchenkommunikation durchführt. Im Gegenteil: Die nachgelagerten Lebensmittelverarbeiter laden die Landwirtschaft mit veralteten, idyllischen Bildern auf, die der heutigen Produktion nicht gerecht werden und die Verbraucher nach Bullerbü schicken.

    Das wenige Geld fließt in diverse Initiativen, die Imagewerbung damit machen. Die angeschlagene Reputation der Branche lässt sich damit nicht verbessern. Ob bloggende Landwirte alleine die Glaubwürdigkeit der Landwirtschaft verbessern können, ist auch fraglich, da sie nur über ihren betrieblichen Blickwinkel glaubwürdig sprechen können. Und schwarze Schafe gibt es genug…

    Von den Kritikern werden der Landwirtschaft aber geschickt auch die Problemzonen des Vor- und nachgelagerten Bereiches angeheftet: Für Fipronil und Problemen auf Schlachthöfen kann kein Landwirt verantwortlich gemacht werden.

    Journalisten sollen ja weiterhin auf Problemfelder hinweisen, das ist schließlich Teil ihres Berufsverständnisses und ihre Aufgabe. Um einen Sachverhalt aber korrekt einordnen zu können, braucht es heute aber mehr Informationen als die von NGOs und einzelnen Wissenschaftlern. Einblicke in den Praxis-Alltag oder Austausch mit Praktikern bieten doch gerade viele neuen Facetten in der journalistischen Recherche. Da wurde Herr Grossarths Statement wohl unglücklich aus dem Zusammenhang geschnitten.

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