Der Einstieg ins Netz

von Rainer Winter (Dieser Beitrag erschien in den DLG-Mitteilungen 11/2012)

Drei von vier Deutschen nutzen heute das Internet. Unter 30jährige sind am Tag länger online, als sie vor dem Fernseher sitzen. iPhone & Co. machen die ständige Nutzung von E-Mail, Web und sozialen Netzwerken zum Kinderspiel. ist es nun auch für Landwirte an der Zeit, über eine eigene Präsenz im Internet nachzudenken? Schließlich ist heute für jüngere Jahrgänge eine Existenz im Web fast schon Standard. Wie sollte man sonst z. B. Fotos mit anderen Leuten austauschen? Wie sich und seinen Betrieb weltweit präsentieren? Ältere Semester dagegen quält die Frage „Was bringt mir der Aufwand, mich damit beschäftigen zu müssen?“

Dabei gibt es manche Gründe, den Schritt in die Online-Welt zu gehen. Wer heute online aktiv werden möchte, hat es so leicht wie nie zuvor. Folgende Ziele können Sie mit einer betrieblichen Internetaktivität verfolgen und auch erreichen:

  • Sie können zu einer Image- und Markenbildung ihres Betriebes und der Landwirtschaft generell bei Kunden, Lieferanten und Verbrauchern beitragen und Öffentlichkeitsarbeit „rund um die Uhr“ machen.
  • Sie können sich durch eigene Aktivitäten von der Berichterstattung in klassischen Medien unabhängig machen, wenn z.B. die Lokalpresse keine Notiz von ihren Hoffesten nimmt.
  • Sie können eine dauerhafte Kommunikations- und Informationsplattform für spezielle Anlässe (Dialog mit Nachbarn, Baumaßnahmen, Hoffeste etc.) im Internet schaffen.
  • Sie haben eine schnelle, direkte Kommunikationsplattform für Krisensituationen.

Die technischen Einstiegshürden, im Internet etwas zu veröffentlichen, sind heute niedrig. Schwierig bleibt, was inhaltlich „auf Sendung“ soll. Die DLG hat in Zusammenarbeit mit einer Agentur speziell für ambitionierte landwirtschaftliche Betriebe Do-it-Yourself-Homepagebaukästen mit eigener Domain entwickelt. Für 12,90 € im Monat können Sie landwirtschaftlich gestaltete Musterseiten an ihre betriebliche Situation und individuellen Wünsche anpassen. Weitere Infos unter http://www.agrarunternehmer-showcase.de.

Julien Christ  / pixelio.de
Julien Christ / pixelio.de

Einen anderen – kostenlosen – Einstieg bieten Webloganbieter wie Blogger.com, WordPress.de und natürlich soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und (für Videos) Youtube. Soziale Netzwerke stellen auch die Infrastruktur zum Verteilen der Inhalte an andere darin registrierte Nutzer zur Verfügung. Die Nutzerschaft ist ein wichtiges Argument: Facebook hat inzwischen fast eine Milliarde Nutzer weltweit, davon rund 25 Mio. in Deutschland und jeweils drei Mio. in Österreich und in der Schweiz. Die jüngeren Jahrgänge sind bei Facebook stärker vertreten als über 40-Jährige (allfacebook.de).

Um mit Facebook eine eigene Internetseite für den Betrieb zu erstellen, klickt man unter dem Registrier-Button auf „erstelle eine Seite für…“. Diese bekommt eine Internetadresse wie http://www.facebook.com/{meinBetriebsname} und lässt nur einen gewissen Spielraum zur Gestaltung des Designs zu. Sie ist aber nicht nur für registrierte Facebook-Nutzer sondern auch für Jedermann online aufrufbar. Erstere können damit interagieren, d. h. sie können bei ihren Beiträgen auf „Gefällt mir“ klicken, kommentieren oder „teilen“ und diese somit an ihren Facebook-Freundeskreis weitergeben. Das nennt man das „virale Prinzip“, sprich Mundpropaganda per Mausklick.

Facebook wie nutzen? Für Ferienhöfe kann eine Facebook-Fanpage ein herkömmliches Online-Gästebuch einer Homepage ersetzen. Die Gäste können Feedback (Lob, aber natürlich auch Tadel) hineineinschreiben und jeder, der die Seite aufruft, kann es sehen – auch, wie professionell Sie darauf reagieren. Direktvermarkter können über eine Facebook-Seite Aktionsverkäufe, z. B. nach Schlachtungen, allen Kunden bekannt geben. ein E-Mail-Newsletter tut es zwar auch, aber dazu muss man erst mal die E-Mailadressen der Kunden sammeln. Gibt man die Adresse seiner Facebook-Seite z. B. auf dem Kassenzettel und im Laden bekannt, werden interessierte und auf Facebook aktive Kunden die Seite selbst „liken“, sprich auf „Gefällt mir“ klicken. Dann werden diesen ihre Meldungen auf deren persönlichen Facebook-Seiten angezeigt.

Aber auch Landwirte und Landwirtinnen, die keinen Urlaub auf dem Bauernhof anbieten oder Direktvermarktung betreiben, haben heute eine eigene Homepage oder experimentieren mit Facebook: man zeigt, wie schön das Wetter bei der Heuernte war, welche Tiere auf der Weide oder im Stall stehen, und welche Arbeit gerade auf den Äckern erledigt werden muss.

Persönliche Voraussetzungen. Wer Facebook – oder auch Twitter – nutzt, sollte auf jeden Fall immer Freude daran und Zeit dafür haben. Wenn Online-Kommunikation zur täglichen Pflicht wird, kann nichts Gescheites dabei herauskommen. Kommunikative Naturen sind da klar im Vorteil: Wer ein Publikum für interessante Links, gute Sprüche oder schöne oder skurrile Bilder sucht, der kann durch ein soziales Netz schnell überregional bekannt werden. Denn eine Facebook-Leserschaft mit Interaktion gibt nicht immer die sachlichen Informationen weiter, sondern eher Witziges, Unterhaltsames und Bilder. Doch gerade dieser „Smalltalk“ hat bislang in klassischen Medien keine Heimat gefunden – auf Facebook ist er fast schon Standard. Natürlich sollte man mit dem Computer umgehen können. auch mit einem iPad oder iPhone oder anderen Smartphones und Tablets lassen sich Facebook-Seiten pflegen – besonders die eingebauten Kameras machen mit der Facebook-App das Veröffentlichen von Fotos zu einem Kinderspiel.

Zu einem vollständigen Online-Kommunikationskonzept gehört natürlich eine eigene Homepage mit eigener Internetadresse wie http://www.betriebsname.de. Die folgende Übersicht zeigt, welche Informationen und Inhalte sich am besten auf die Internet-Plattformen Homepage, Facebook-Seite, Twitter- und YouTube-Kanal aufteilen lassen:

Welche Inhalte wo veröffentlichen?

1. Eigene Homepage:
Dauerhaft wichtige Informationen zum Betrieb, wie

  • Kurzporträt »Über uns«
  • Anfahrtshinweise, Adresse
  • Kontaktformular
  • Betriebliche Angebote (Urlaub, Produkte, Betriebszweige, Anbauverfahren usw.)
  • Veranstaltungshinweise
  • Öffnungs- oder optimale Besuchszeiten
  • Bildergalerie, Videos
  • Ggf. links zu eigenen Facebook-, Twitter- oder YouTube-Seiten
  • Impressum mit gesetzlichen Pflichtangaben

2. Facebook
Kurzzeitig Interessantes, das Nutzer zu Interaktionen anregt

  • Seite als »lokales Unternehmen« anlegen
  • Kurzinfo mit Adresse
  • Kurzfristige Angebote, Aktionen
  • Veranstaltungen mit Einladungsmöglichkeit
  • Öffnungszeiten
  • interaktive Bildergalerien, Videoclips
  • Bilder auch über Smartphone
  • Links zu interessanten Artikeln
  • Umfragen
  • Betriebsgeschichte
  • Impressum als eigenes Register oder Link zu Impressums-Seite der Homepage

3. Twitter
Aktualisierungen von Homepage oder Facebook-Seite, kurzzeitig Interessantes

  • »Öffentliche Selbstgespräche«
  • Links zu interessanten Artikeln in Onlinemedien
  • Bilder auch über Smartphone
  • Gespräche mit Followern und anderen Twitter-Nutzern
  • Impressum in Profilbeschreibung oder Link zu Impressums-Seite der Homepage

4. YouTube
Plattform für Videoclips, auch zum Einbinden in eigene Homepage

  • Videoclips oder animierte
  • Slideshows aus Fotos
  • Impressum oder Link zu Impressums-Seite der Homepage

Viele Homepages fristen ein relativ statisches Dasein, die wichtigsten Infos zum Betrieb müssen nicht oft geändert werden. Und manche Rubrik „Aktuelles“ wird oft übereifrig eingerichtet, ohne sich über deren Aktualisierung (auch in praktischer Hinsicht) Gedanken zu machen. hier springen Facebook und Twitter in die Bresche: Von der Homepage verlinkt, können auf diesen leicht zu editierenden Plattformen aktuelle, kurzzeitig relevante Infos stehen, die zudem durch die Netzwerke weitergegeben werden können. Hobbyfilmer finden auf YouTube eine Plattform, die spezialisiert auf die Veröffentlichung von Online-Videos ist. allerdings sollte man immer Vorsicht walten lassen, welche Bilder und Videos man aus dem landwirtschaftlichen oder persönlichen Alltag „auf Sendung“ bringt: manch gut gemeinter Werbeclip zum eigenen Ferienhof wurde von Internetnutzern heruntergeladen, hämisch verrissen und neu geschnitten und verfremdet wieder in YouTube hochgeladen. Besonders Bilder und Videos von Personen der eigenen Familie oder von angestellten sollten nicht ohne Zustimmung im Internet veröffentlicht werden, ohne dass die abgelichteten über „Risiken und Nebenwirkungen“ aufgeklärt worden sind.

Fazit: Die Frage, warum man mit dem eigenen Betrieb im Internet aktiv werden soll, muss sicher jeder für sich selbst beantworten. Anregungen, mit welchen Inhalten mancher landwirtschaftliche Betrieb sich online präsentiert, können Sie sich z.B. bei diesen Seiten holen:

Eine umfangreiche Liste von Internetseiten nordamerikanischer Farmer finden Sie unter http://farmerbloggers.com/followfarmer/index.html – hier gibt es Anregungen zuhauf!

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