„Bauer Willi“: Vom Wutbriefschreiber zum Buchautor

Sauerei - Bauer Willis BuchDer Leserbrief „Lieber Verbraucher“, den Dr. Willi Kremer-Schillings alias Bauer Willi im Januar 2015 verfasste, hat mit dem Buch „Sauerei“ nun eine umfangreiche Abrundung bekommen.

Bauer Willi erzählt aus seiner eigenen Biografie und von seinem Hof, und er zeigt dabei dem Leser, was sich in den vergangenen Jahrzehnten in der Landwirtschaft verändert hat. Denn der Fortschritt in dieser Branche wird von vielen Menschen immer noch ausgeblendet, während man gleichzeitig über neue Smartphones begeistert ist.

Dank dieser Entfremdung lassen sich viele Ängste schüren, die inzwischen eine sachliche Diskussion über die Landwirtschaft schwierig machen. Bauer Willis Ausführungen zeigen dem Leser verschiedene Blickwinkel auf kritische Themen und er entschärft damit manche Hysterie. Zugleich betont er, dass die Branche sich die derzeitige Misere zum Teil auch selbst eingebrockt hat, was ihn von manchem Verbandssprecher unterscheidet. Er geht – wie inzwischen etliche andere Landwirte – mit einer eigenen Internetseite auf Kritiker zu. Auf www.bauerwilli.com steht er für einen vertrauensbildenden Dialog zur Verfügung. Landwirte sollten die Kommunikation mit Verbrauchern und Journalisten lernen, denn verlorenes Vertrauen muss durch Kommunikation zurückgewonnen werden, schreibt er.

Um die Frage nach der „richtigen“ Form der Landwirtschaft zu beantworten, geht er in seinem Buch behutsam mit dem Leser jede Alternative durch und beleuchtet sie von allen Seiten. Ob Solidarische Landwirtschaft oder Biolandwirtschaft, ob Direktvermarktung oder ob sonstige als Musterlösung den Landwirten unter die Nase geriebenen Rezepte – anhand der Überlegungen für seinen Betrieb und fachlich plausiblen Hochrechnungen werden die Alternativen als das begreifbar was sie sind: nämlich eine individuell zu entscheidende Strategie für den eigenen Betrieb, als Patentrezepte für die gesamte Landwirtschaft in Deutschland jedoch fraglich.

Ein zentrales Kapitel beschäftigt sich mit der Marktmacht des Lebensmittelhandels und dessen Auswirkungen auf die Erzeuger. Hier herrscht ein struktureller Missstand, den immer die Bauern ausbaden müssen. Ob der Lebensmittelhandel in der derzeitigen Form tatsächlich allein durch das Kaufverhalten des Verbrauchers die Regale befüllt, ist also fraglich. Einkaufswege jenseits der Supermärkte sind aufwendig und unbequem.

Hat Bauer Willi die Macht des Verbrauchers möglicherweise überschätzt? Wohl nicht, er rät dem, der der Marktmacht der Supermarktketten entgehen will, sich selbst auf den Weg zu machen. Das kann durchaus mühsam, soll aber lohnend sein. Denn viele ursprüngliche Lebensmittel findet man nur am Ursprung, also beim Landwirt. Eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe, die Bauer Willi damit den Verbrauchern stellt.

Mein Fazit: „Prädikat Lesenswert“, empfehlenswert auch zum Verschenken

Link zum Buch:

http://www.piper.de/buecher/sauerei-isbn-978-3-492-06038-7

2 Kommentare zu „„Bauer Willi“: Vom Wutbriefschreiber zum Buchautor

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